Mittwoch – ein weiterer Tag in der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität von Buenos Aires. Diesmal bin ich etwas später losgefahren, um nicht zu lange der morgendlichen Kälte ausgesetzt zu sein. Auch heute würde mich die gleich Prozedur erwarten. Warten, um eine Nummer zu ziehen, dann nochmals warten und dann nach Hause gehen. Ein habe ich jedoch bereits erfahren: Um schnell „behandelt“ zu werden, sollte man sich bereits gegen 6 Uhr vor dir Tür stellen und bis 8 Uhr warten. Die Türen öffnen genau um 8:00 Uhr. Man erhält eine Nummer und wird dann zu einem Schalter weitergeleitet, wo man sich für einen Termin anmeldet. Danach wartet man bis 9:00 Uhr, da zu dieser Zeit die Behandlungszimmer öffnen.
Kommen wir jedoch zurück zur Katze! Heute hat sich bestätigt, was ich bereits ahnte, sie hat einen Tumor in der Milz und man muss eventuell operieren oder, was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, Chemotherapie für Kleintiere machen. Es ist sehr interessant, dass es Chemotherapie für Haustiere gibt. Ferner ist es auch auffällig, dass es in einem Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt und nicht genug Geld hat, um Medikamente zu kaufen, es Chemotherapie für Katzen gibt. Aber diese Widersprüche, trotz deren Bewusstseins und das Verständnis dafür, rufen immer in mir eine Gefühl der Verstimmung hervor. Zu diesem Thema gab es auch neulich eine schöne Karikatur, die ich suchen und auch hoffentlich finden werde, um sie hier zu veröffentlichen.
Also die Katze hat ein Milzgeschwür, das die Milz auf die Größe der Milz eines Schäferhundes anwachsen gelassen hat. Daher soll ich mich nochmals am Freitag melden. Ich muss zwar viele Termin absagen und viel Zeit in der Fakultät verbringen, kann aber darüber hinaus meinen spanisch Wortschatz im Bereich Tiermedizin und Organe erweitern. So kenne ich nun den Unterschied für die gleich lautenden Wörter bazo (Milz) und vaso (Glas) – quasi handlungs- und praxisorientierter Unterricht!
Der Termin beim Spezialisten wurde mir durch die fĂĽr Argentinien typische Art des „hacer un truco“ – des Tricksen ermöglicht, da es Wartezeiten von bis zu zwei Monaten gibt. Das Tricksen besteht nicht aus dem Bezahlen von Schmiergeld, sondern aus dem fingieren von Angaben zum Krankheitsbild. Ich soll eine falsche Angaben bei der Anmeldung machen und dann den Rest mit dem Arzt, der bereits informiert wurde.
Ich freute mich also schon auf Freitag! – Doch leider kam es am Freitag nicht zum gewĂĽnschten Treffen, da der Spezialist zu einem Kongress eingeladen worden ist, sodass ich es nächste Woche noch einmal versuchen soll.






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