Wie allgemein bekannt ist, ist Argentinien nicht nur für den Tango, sondern auch für zartes, wohlschmeckendes Rindfleisch berühmt. Seit Jahren muss man für argentinisches Rindersteak in Deutschland relativ tief in die Tasche greifen (1 kg Rinderfilet kostet ca. 30,- €) und wahrscheinlich bald noch viel tiefer.
In diesem Jahr haben sich die Fleischpreise hier in Argentinien um fast 45 Prozent erhöht und man bezahlt nun fast 50 Pesos für ein Kilo „Bife de lomo“ – Rinderfilet. Diese bittere Erfahrung musste ich beim letzten Asado machen, als ich in Gedanken versunken den Einkauf an der Kasse bezahlen musste. So musste ich für die Hälfte des Fleisches, das ich für mein Weihnachtsgrillen gekauft habe, nun fast das Doppelte an Pesos bezahlen. Also eine gefühlte Inflation von mehr als hundert Prozent.
Klar ist das nur gerechtfertig und die Fleischpreise waren unverschämt niedrig, dennoch ist das für die sich hier überwiegend von Fleisch ernährenden Argentinier ein tiefsitzender Schock. Und aufgrund des expansiven Sojaanbaus werden die Preise für argentinisches Rindfleisch weiter steigen, wenn es nicht sogar ganz von den Märkten verschwinden wird. Schon jetzt ist Brasilien die Nummer eins beim Fleischexport und sogar das kleine Uruguay soll bereits Argentinien beim Export überholt haben. Böse Zungen behauten sogar, dass Argentinien Rindfleisch importieren muss, um den einheimischen Bedarf zu decken.
Aber das sollte eigentlich nur ein kleiner Exkurs sein, denn ich wollte eigentlich von meinem Erlebnis beim Fleischer berichten, bei dem ich letztens ein Huhn gekauft habe. Auch hier sind die Preise natürlich enorm gestiegen, da man weniger Rindfleisch ist, gleichwohl aber auf Fleisch an sich nicht verzichten möchte und daher Huhn kauft. Die alte Regel des Angebots und der Nachfrage kümmert sich dann um alles Weitere. Ich wollte also ein Huhn kaufen und bat den Metzger – den Carnicero das überschüssige Fett zu entfernen. Natürlich nicht um Gewicht einzusparen, sondern, weil es mir sehr unappetitlich erschien. Da schaute er mich verdutzt an und sagte mir, dass es dann aber viel teurer für mich sei. Perplex schaute ich zu meiner ebenso verwunderten Begleitung und vergewisserte mich so, dass auch sie diese Schlachterlogik nicht ganz verstanden hatte.
Das beruhigte mich natürlich, da ich sofort wieder an meine Spanischkenntnisse zweifelte und dieses „Missverständnis“ auf die Fremdsprache reduzierte. Ich ließ den Fleischer dann machen und wartete geduldig, dass er das Fett nach dem Wiegen entfernte. Als wir dann die Fleischerei verlassen haben, fragte ich noch mal nach, da es mich doch wurmte und nach einem tieferen Sinn dieser Antwort suchte. Wie kann etwas beim Wiegen teurer sein, wenn ich das Fett nach dem Wiegen entferne und somit quasi für fehlendes Gewicht bezahlen muss. Es ist ungefähr so, als ob ich den Autoverkäufer bitten würde, mir den Wagen ohne Radio zu verkaufen und dieser mir dann antwortete, dass das dann aber teurer für mich werde. Hm egal, ich wollte mich einfach nicht wegen 50 Gramm Fett streiten.






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